Bula Herr Leistner,
eigentlich waren wir hier ziemlich überrascht, als das Militär
plötzlich anfing Ernst zu machen.
Wer nun dahinter steckt,
kann man hier auch nicht sagen, aber wir vermuten, daß es wohl
ein bißchen Druck aus dem Ausland auf die richtigen Stellen
gegeben hat. Weiterhin vermute ich, daß Speight und seine Gruppe
den Bogen überspannt haben und dann kommt halt dieses Feedback.
Zur Zeit ist das Militär
dabei die Unruhegebiete auf Vanua Levu zu kontrollieren. Leider
gab es dabei gestern abend auch schon einen Toten. Dieser hatte
auf die Soldaten gefeuert und bei der Erwiderung wurde er so
schwer verletzt, daß er auf dem Weg ins Krankenhaus starb.
Das andere Problem ist,
so unglaublich es klingt, das Internet. Es laufen so viele
unberechtigte Warnungen über das Reisen nach Fiji durch die
Weiten des Netzes, da werden schon einige abgeschreckt. Laut
den Zahlen für Juli sind nach ca. 38.000 Besuchern im Juli
99 dieses Jahr nur 12.000 Besucher gezählt worden.
Wenn allerdings selbst
das AA in Berlin solche Warnungen:
**********************
Fiji: Stop-Over unbedingt umplanen/umbuchen !!
[BERLIN] - 29.07.00: Wir haben fuer Sie die derzeitige offizielle
Empfehlung des Ausweartigen Amtes recherchiert.
„Die Bundesregierung
beobachtet die Vorgaenge auf Fidschi aufmerksam. Eine weitere
Verschaerfung der Lage kann nicht ausgeschlossen werden. Es
wird daher bis auf weiteres von allen Reisen nach Fidschi grundsaetzlich
abgeraten. Auf Fidschi lebende deutsche Staatsangehoerige sollten
ernsthaft eine voruebergehende Ausreise in Betracht ziehen,
solange dieses noch mit kommerziellen Fluegen moeglich ist.”
Reisende nach Indonesien
sollten bereits vor der Abreise die politische Entwicklung
in Indonesien genau beobachten. Es wird ferner empfohlen, sich
in Indonesien von Demonstrationen und groesseren Menschenansammlungen
jeder Art fernzuhalten und sich in der englischsprachigen Tagespresse
(z.B. Jakarta Post, Observer) ueber die jeweilige aktuelle
Lage zu informieren.
verbreitet, ist es nicht verwunderlich,
daß keiner nach Fiji will.
Nach Rücksprache mit unserem
Honorarkonsul entbehrt diese Warnung jeder Grundlage und soll
nach letzter Rücksprache auch sofort geändert werden.
Ich glaube mit der Idee
des eigenständigen Weststaates, soll von dieser Seite nur Druck
gemacht werden, allerdings darf man nicht
vergessen, Geld hier in Fiji wird zum großen Teil in dieser Region
verdient. Ich habe mich mit einigen Leuten (Inder/Fijianer) im
Bereich Nadi unterhalten, diese wollen eigentlich nur ihrer Arbeit
nachgehen, Geld verdienen und leben. Nach deren Aussage ist der
Bereich Tailevu schon immer ein Unruheherd gewesen.
Wir müssen abwarten, inwieweit
sich die Lage hier in Fiji wieder verbessert, ändern können
wir nichts, außer mitzuhelfen, ein paar Touristen ins Land
zu bringen.
Gruß aus (zur Zeit) rainy
Fiji
Jürgen Schweinberger
Mail von Herrn Leistner am 03.08.2000
Hallo Herr Schweinberger,
ich war schon wieder einige Tage unterwegs und habe mich gerade
auf Ihrer Seite über den Stand der Dinge informiert.
Es scheint ja doch wieder eine Aussicht auf die Rückkehr zu zivilisierten
Verhältnissen zu geben, wobei die Idee eines eigenständigen „Weststaates” einigermassen
abenteuerlich erscheint.
Tarakinikini hatte ja, während ich in Fiji war, angekündigt, dass
nach Abschluss der Geiselnahme hart durchgegriffen würde. Ich habe
das zuletzt nicht mehr geglaubt. Es wäre schon interessant zu erfahren,
ob das lange Zögern nur eine clevere Taktik war oder es irgendeinen
Druck -womöglich von aussen- gegeben hat, der zu dieser Entwicklung
geführt hat.
Wie ist denn Ihr Eindruck bezüglich des Zustandes der Wirtschaft;
erscheint eine schnelle Erholung -im Tourismus und anderswo- vielleicht
doch möglich? Das wäre ja vermutlich eine Voraussetzung, um langfristig
politisch stabile Verhältnisse herstellen zu können.
Jedenfalls bin ich sehr gespannt auf die Entwicklung der nächsten
Wochen. Es würde mich freuen wieder von Ihnen zu hören.
Mit freundlichen Grüssen
k. leistner
Mail von Herrn Leistner am 24.07.2000
Hallo Herr Schweinberger,
ich war zwei Tage unterwegs, konnte nicht gleich
antworten. Meine Freunde sind noch da, haben aber genug von den
Zuständen und machen erst einmal ein bisschen Urlaub irgendwo
auf den outer islands. Zur Zeit scheint ja, abgesehen von den
power cuts, das unangenehmste zu sein, dass einfach nichts wirklich
passiert, zumindest niemand etwas genaues weiss. Inzwischen lässt
auch das Interesse an Nachrichten aus Fiji in Europa nach. Seit
der Freilassung der letzten Geiseln habe ich in keiner der grossen
Tageszeitungen eine weitere Meldung gesehen. Da ich aus Zeitgründen
nicht immer im Internet schauen kann und meine Freunde auch nichts
konkretes wissen, bin ich zur Zeit schlecht informiert. Ich muss
allerdings auch sagen, dass mein persönliches Interesse an Fiji
angesichts der noch laufenden Vorgänge nicht mehr sehr stark
ist, es geht mir im Grunde nur noch um das Wohlergehen meiner
Freunde. Persönlich hat es mir zuletzt in Neukaledonien sehr
gut gefallen. Ich glaube, ich werde mein Interesse in nächster
Zeit eher dorthin wenden.
Ihnen weiterhin viel Glück, bis zum nächsten Mal
mit freundlichen Grüssen
k. leistner
Unser mail vom 21.07.2000
Hallo Herr Leistner,
„es ist schon ganz schön lustig hier in Fiji, wenn die Lage nicht ganz so
ernst wäre.”
Zur Zeit bleibt uns nichts anderes übrig, als Touristen von einer
Reise nach Fiji abzuraten. Haben Sie schon neue Nachrichten von
Ihrem Freund in Suva?
Hat er das Land schon verlassen?Er kann ja, wenn er möchte, mal
mit uns Kontakt aufnehmen. Zur Zeit ist zwar alles ruhig, aber
die Situation ist reichlich angespannt.
Nachdem nun die Vereidigung der neu ernannten Regierung auf unbestimmte
Zeit verschoben wurde, die ehemalige Regierung auf der Westseite
der Insel starken Rückhalt genießt und dort wahrscheinlich regieren
will, weiß man nicht was man von der ganzen Lage halten soll.
Wir haben zwar hier in Pacific Harbour unsere Ruhe, doch ganz ehrlich,
so richtig wohl fühlen wir uns auch nicht mehr.
Was ich nicht verstehen kann, ist diese Denkensweise verschiedener
Leute hier. Personen, die 8 Wochen lang Geiseln genommen, Leute
getötet haben und das Land langsam aber sicher in den Ruin treiben,
gehen straffrei aus, während z.B. Leute die zu schnell gefahren
sind, schön brav ihr Ticket bezahlen müssen. Es ist schon ein wenig
anders, als man das aus der „zivilisierten” Welt gewohnt
ist.
Inwieweit die ganze Situation weiter an Schärfe zunimmt, ist schlecht
zu sagen. Die Gruppe um George Speight will mit aller Gewalt eine
Regierung ihrer Vorstellung durchdrücken, nun soll auch der von
den Militärs ernannte und vom neuen Präsidenten bestätigte Premierminister
auf Drängen der Terroristen ausgetauscht werden.
Im Westteil der Insel laufen Gerüchte, nach denen sich dieser Teil
der Insel abspalten und eine eigenen Staat ausrufen will. Wie gesagt,
es ist alles so ungewiß und für uns natürlich nicht minder demotivierend.
Wir werden abwarten müssen.
Diese ganze Sache hat nichts mit Rechten für die eingeborenen Fijianer
zu tun, sondern nur mit der Gier nach Macht und Geld einiger Leute,
wie G.Speight usw. Außerdem sollte man bedenken, das Mr. George
Speight selber kein „Ur”-Fijianer ist, sondern nur ein „Halbblut”.
Dies soll nur eine kurze Einschätzung der Lage von unserer Seite
aus sein, da sich ansonsten hier nicht allzu viel bewegt.
Gruß aus sunny Fiji
Jürgen Schweinberger
Antwort von Herrn Leistner vom 18.07.2000
Guten Abend Herr Schweinberger,
nachfolgend nochmals meine Antwort vom 13.07. Da
ich geschäftlich unterwegs war, hatte ich seit Freitag keinen
Kontakt zu meinen Freunden und bin auch sonst nicht auf dem aktuellen
Stand der Dinge, so dass ich z.Zt. nichts hinzuzufügen habe.
Ich habe lediglich die Einschätzung des BBC-Korrespondenten auf
deren Website gelesen, dass nunmehr wohl auf Grund der zu erwartenden
Zusammensetzung der neuen Interimsregierung mit der Erarbeitung
einer auf rassistischen Grundsätzen aufbauenden Verfassung zu
rechnen ist, die allen ausser den ethnischen Fijianern und den
Parteuropeans bestenfalls eine Langzeitgästerolle ohne fundamentale
demokratische Rechte zuweisen wird. Jedenfalls bis zum nächsten
Coup, mit dem nach inzwischen guter fijianischer Tradition dann
gerechnet werden kann, wenn einigen Leuten klar geworden sein
wird, dass man sich von sog. indigenous rights alleine weder
Autos noch Fernseher noch sonstige den Lebensstandard erhöhende
Wohltaten gönnen kann ohne zuvor verinnerlicht zu haben, wie
eine monetär organisierte Gesellschaft funktioniert. Denn nur
vor dem Hintergrund der scheinbaren materiellen Benachteiligung
der „Einheimischen” ist die offensichtlich doch breite
Unterstützung Speights verständlich und erlaubt diesem Bankrotteur
sich mit dem Geld seiner Hintermänner zu sanieren.
Ich denke, dass er selbst zunächst keinen originären Drang hat,
eine wirklich politische Rolle zu spielen. Nicht umsonst betont
er ja ständig das zu tun, was „seine Leute” von ihm erwarten,
ggf. eben auch wieder in der Versenkung zu verschwinden.
Aber hier nun die alte Antwort:
Zunächst einmal freue ich mich über die Korrespondenz und bedanke
mich für die fortlaufenden und schnellen Informationen, insbesondere
angesichts der sicherlich auch für Sie schwierigen Situation. Ich
habe heute früh (CET), etwa zeitgleich mit meiner letzten Mail
mit einem Freund in Suva telefoniert, dessen Haus sich innerhalb
der militärischen Schutzzone in Domain befindet. Etwa fünf Minuten
nachdem die Nachricht über die Freilassung der restlichen 18 Geiseln
verbreitet worden war. Er hatte zu dieser Zeit weder Strom noch
Wasser, was wohl mit der Übernahme des Dammes durch die Landbesitzer
zu tun hat. Dieser Freund lebt seit 10 Jahren in Fiji und hat nach
meiner Überzeugung - ohne selbst materiell dabei wesentlich profitiert
zu haben - sehr viel für das Land getan.
Noch bei einem Treffen in London an Sylvester hatte er mir gesagt,
dass er wohl endgültig in Fiji bleiben werde, da ihn mit Europa
innerlich nichts mehr verbinde. Ihm schien die Situation heute
so bedrohlich, insbesondere auch für die Kinder, dass er das Land
innerhalb der nächsten 36 Stunden endgültig verlassen wollte, wenn
sich im Laufe des Tages nicht eine entscheidend positive Wende
ergeben sollte. Da dieser Freund schon nahezu 20 Jahre in der Region
lebt - u.a. mehrere Jahre auf den Solomon Islands - und als absolut
profunder Kenner der gesamten Region, insbesondere auch der kulturellen
Traditionen gerade auch bei der einheimischen Bevölkerung anerkannt
ist, gibt mír seine Frustration doch sehr zu denken. Es würde mich
für alle, die dieses Land eigentlich lieben, wirklich freuen, wenn
seine Einschätzung sich als falsch erweisen würde; ich glaube daran
allerdings z.Zt. auch nicht mehr.
Dennoch weiterhin viel Glück,
mit freundlichen Grüssen
k. leistner
Unsere mail vom 14.07.2000
Hallo Herr Leistner,
heute abend sieht die Situation schon ein wenig besser aus. Auf
Druck des Great Council of Chiefs, wurden heute Nachmittag die
letzten Geiseln entlassen. Außerdem wurde die sofortige Räumung
der Straßensperren angeordnet. Als Staatspräsident (Interim)
wurde Tui Vuda Josefa Iloilo ernannt. Morgen sollen nun die Waffen
an das Militär zurückgegeben werden. Wir hoffen, daß das Land
nun wieder den richtigen Weg einschlägt, am besten würde man
das vom Militär eingesetzte Interim-Gouvernment bestätigen.
Dies würde wahrscheinlich, dem nun auf der Abschußliste stehenden
George Speight nicht gefallen.
Wir werden abwarten und sehen wie sich die Situation weiterentwickelt.
Unsere Warnungen resultieren aus der Übernahme einiger Resorts
durch „Grundbesitzer”. Die von Ihnen angesprochene Geiselnahme
von Touristen kann ich so nicht bestätigen, aber Turtle Island
wurde übernommen und es kann sein, daß man diese Gäste meinte.
Aber von einer direkten Geiselnahme von Touristen ist uns nichts
bekannt und wurde auch hier in den Medien nicht erwähnt.
Wir müssen nun abwarten wie sich hier alles entwickelt, hoffen
wir für
Fiji das Beste.
Gruß aus Fiji
Jürgen Schweinberger
Antwort von Herr Leistner vom 13.07.2000
Sehr geehrter Herr Schweinberger,
selbstverständlich können Sie meine Meinung veröffentlichen, mit
oder ohne Quellenangabe. Geschäftsfreunde, die wussten, dass ich
in Fiji war, haben mir gestern berichtet, sie hätten im Internet
gelesen, dass angeblich 40 Touristen als Geiseln genommen worden
seien. Ich kann es kaum glauben. Wir haben uns in Pacific Harbour
nicht getroffen; ich bin auf dem Weg von/nach Suva nur durchgefahren.
Die ganze Sache berührt mich wirklich auch emotional, ich fasse
es einfach nicht.
Kurze Ergänzung zu meiner letzten Mail: Ich war letzte Woche auch
zwei Tage in Neukaledonien. Hoteliers dort haben mir berichtet,
dass sie einen signifikanten Anstieg von Besuchern haben, deren
Reisebüros ihnen Umbuchungen von geplanten
Fiji-Reisen nahegelegt haben.
Viel Glück weiterhin,
mit freundlichen Grüssen
k. leistner
Unsere Antwort
vom 13.07.2000
Hallo Herr Leistner,
vielen Dank für Ihre Mail.
Kann es sein, daß ich Sie in Pacific Harbour getroffen habe? Vom
Zeitpunkt würde es hinkommen.
Unsere Frage ist nun, inwieweit wir Ihre Mail mit Quellenangabe
verwenden dürfen, um nicht nur unsere Meinung und Ansicht zu präsentieren.
Seit heute wird auf unserer Web-Page vor Reisen nach Fiji gewarnt,
da sich die Situation dramatisch zuspitzt. Es werden nun von den
sogenannten „Landbesitzern” auch die ersten Resorts übernommen.
Tarakinkini, soll lt. einigen Meinungen hier vor Ort auch auf der
falschen Seite (Speight) stehen.
Gestern wurden 9 Geiseln entlassen und wie es nun scheint, werden
die anderen Geiseln wohl nicht, wie im „Vertrag” festgelegt,
heute entlassen.
Die ganze Situation hier in Fiji kann von Außenstehenden/Nicht-Fijianern
wahrscheinlich nicht begriffen werden.
Wir hoffen zwar das Beste, aber wir werden unseren Gästen weiterhin
die Wahrheit über die Situation in Fiji nicht verschweigen.
Gruß aus Fiji
Jürgen Schweinberger
Antwort von Herrn Leistner am 11.07.2000, nachdem
er selber in Fidschi war
Sehr geehrte Frau Mucha,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Inzwischen war ich selbst einige Tage in Fiji und muss sagen, dass
mich die Vorgänge doch einigermassen erschüttern, auch wenn Privatreisende
praktisch nicht betroffen sind. Speziell dieser nur durch Erpressung
erzielte Vertrag - der Ausdruck verbietet sich eigentlich- belegt,
dass in Fiji fundamentale Werte, die inzwischen ja nicht mehr nur
westliche sind, nur wenig oder gar nichts zählen. Betrofffen hat
mich bei meinem Besuch letzte Woche insbesondere, dass Mitglieder
selbst der kleinen Business-Elite einheimischer Fijianer - zumindest
die, die ich getroffen habe- Speight inhaltlich unterstützen und
auch gegen die Methoden nicht viel einzuwenden haben, geschweige
denn die Mehrheit der einfachen Leute. Als Konsequenz werden einige
meiner Freunde, die sich in den letzten 10 Jahren sehr stark, z.B.
im Gesundheitswesen, engagiert haben, ihre Verträge nicht verlängern
und zum Jahresende das Land endgültig verlassen. Für mich selbst
war dies wohl auch der für lange Zeit letzte Besuch. Ich denke,
das Land wird in allen Bereichen einen Einbruch erleben, von dem
es sich nicht so schnell wie nach den 87er Coups erholen wird.
Ich kann nur hoffen, dass dieser unsägliche Vertrag vom Militär
nur als Täuschungsmanöver unterzeichnet wurde und nach Freilassung
der Geiseln in allen Bereichen massiv durchgegriffen wird, wie
es Tarakinikini letzte Woche in der Fiji-Times angekündigt hat.
Im Interesse dieses schönen Landes und seiner eigentlich sehr sehr
netten Menschen (jeglicher Herkunft) wäre ein Ende mit Schrecken
sicher besser als der jetzt scheinbar eingeschlagene Weg, auch
wenn das leider nicht ganz ohne Gewalt ablaufen würde. Der sogenannte „Fijian
way to solve the problems” jedenfalls, wie mir verharmlosend
einige Leute die derzeitigen Vorgänge nahe bringen wollten, ist
der sichere Weg in die internationale Isolierung über einen längeren
Zeitraum. Übrigens: Vielleicht kein Zufall, dass ich bei diesem
Besuch das erste mal eine recht unangenehme und aggressive Begegnung
mit Einheimischen zwischen Mubya und dem Sigatoka Valley hatte,
obwohl ich die Landesbräuche kenne und mich entsprechend zu verhalten
weiss.
Insgesamt denke ich, dass man über Privat- u. Geschäftsreisen nach
Fiji derzeit sehr gut nachdenken sollte; denn jeder Dollar, den
der Tourismus einbringt, unterstützt die rassistischen und undemokratischen
Zustände, die jetzt womöglich auch noch unter Missbrauch und Manipulation
der z.T. wenig gebildeten Mitglieder des GCC konstitutionalisiert
werden. Nicht nur das Geschäft und/oder das Vergnügen suchende
Menschen haben seinerzeit auch von Reisen nach Südafrika, Argentinien,
Chile, Spanien, Portugal, Griechenland etc etc. Abstand genommen
und damit einen Beitrag zur Änderung der Zustände geleistet. Und
zudem gibt es in der Region ja zahlreiche Alternativen. Sollten
Sie die Zeit hierzu finden, wäre ich an einem Meinungsaustausch
gerade auch mit Leuten aus der wohl am stärksten betroffenen Industrie
interessiert.
Auch wenn z.Zt. die Aussichten wohl nicht sehr gut sind, wünsche
ich Ihnen viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüssen
K. Leistner
Unsere Antwort vom 24.06.2000:
Sehr geehrter Herr Leistner,
vielen Dank für Ihr mail.
Mit dem Streß haben Sie schon recht. Aber es sind nicht nur die Übersetzungen.
Hier in Fidschi ist zwar die Amtssprache Englisch jedoch wird es
nicht von jedem beherrscht. So kommen auch unsere teilweise unglücklichen
Ausdruckweisen zustande. Wir notieren Nachrichten nicht nur aus
dem Radio, sondern holen auch telefonisch Meldungen bei verantwortlichen
Stellen (Polizei, Militär etc.) ein. Selten bekommen wir diese
in Schriftform. Ich bitte Sie daher, daß Chaos, welches teilweise
in den Berichten herrscht zu entschuldigen. Außerdem bearbeiten
wir die Seite meistens Nachts, wenn wir alle aktuellen Nachrichten
zusammen haben, so liegt dann schon ein Arbeitstag von 12 - 14
Std. hinter uns. Denn ungeachtet der Situation bekommen wir täglich
10 - 15 Anfragen und die müssen auch beantwortet werden. Außerdem
wiederholen sich die Nachrichten hier seit Tagen ständig und es
kommt zu keinem Ergebnis, so daß wir mittlerweile schon gar nicht
mehr jeden Tag updaten können.
Zur Info:
Am Wochenende soll ein Vertrag zwischen Speight und dem Militär
unterzeichnet werden, im Anschluß daran sollen die Geiseln freigelassen
werden.
Mit freundlichen Grüßen und einem herzlichen Bula
nach Mannheim
BWT Travel-Office
Maren Mucha
Erste mail von Herrn Leistner vom 23.06.2000:
Sehr geehrte Damen und Herren,
aus allgemeinem Interesse und weil ich nächste Woche wieder in
Fiji sein werde, habe ich Ihre Seite seit Beginn der Krise verfolgt.
Eine der wenigen Möglichkeiten sich einigermassen aus erster Hand
zu informieren.
Selbst Freunde, die seit vielen Jahren in Suva (Domain) leben,
sind nicht immer auf dem neuesten Stand. Hierfür vielen Dank. Bei
allem Stress, unter dem sie wahrscheinlich stehen, wäre es allerdings
hilfreich, wenn die Übersetzungen etwas präziser und das Deutsch
etwas richtiger wäre. Teilweise macht es Mühe, den genauen Sinn
der Berichte zu verstehen. Unabhängig hiervon wünsche ich Ihnen,
dass Sie erfolgreich durchhalten können. Einige Freunde haben schon
frustriert beschlossen, die Region, insbesondere auch nach den
Ereignissen auf den Salomonen, endgültig zu verlassen.