KAVA – in Fidschi auch YAQONA genannt, in manchen anderen
Teilen des Südpazifiks einfach nur ’AVA – spielt
eine wichtige Rolle in traditionellen Zeremonien und wird vielerorts
als Totem für Wohlwollen und Respekt unter den Leuten des
Südpazifik verwendet.
Oft sieht man eine Gruppe von Männern in Dörfern oder
am Markt um die TANOA (Kava-Schüssel) versammelt sitzen,
die sich stundenlang Geschichten erzählen, während
die BILO (eine halbe Kokosnuss-Schale) herumgereicht wird. In
der heutigen modernen Welt wird dieser alte Brauch oft abgewandelt
fortgesetzt ... in einem hinteren Büroteil ... mit Plastikschalen
...
Die typische Zeremonie
Besucht man ein Fidschianisches Dorf, so gehört es sich,
als Gastgeschenk ein SEVUSEVU (Kavawurzel) mitzubringen, aus
der dann der Kava-Trunk zubereitet wird. Je größer
die Wurzel, desto mehr Ehre wird erwiesen, desto freundlicher
sind die Besuchten gestimmt und desto eher wird der Zutritt zum
Dorf gewährt.
Gewonnen wird Kava aus der Wurzel des Pfefferstrauches (piper
mesthysticum). Die WAKA (Wurzel und das Beste) und die Stiele
werden getrocknet und in einer speziellen Schale (ähnlich wie
ein Mörser) zerstoßen.
Unverkennbar hört man das monotone Klopfen, wenn man durch
ein Dorf läuft
oder fährt. Das Pulver wird dann in ein Tuch gegeben, das über
die mit Wasser gefüllte Tanoa gespannt wurde. Alles zusammen
wird zugedreht und ausgewrungen. Früher wurde als Tuch die
zerstoßene Rinde des Bau-Baumes verwendet, heute sind es
meist Leinentücher. Das Resultat sieht – ganz respektlos
ausgedrückt – aus wie eine dreckige Pfütze und
ist je nach gewünschter Stärke dunkler oder heller
gefärbt.
Eine traditionelle Tanoa wird aus einem großen Stück
Vesi-Holz geschnitzt. Am einen Ende ragt eine dicke Schnur aus
Kokosnussfaser heraus, die mit dicken Cowrie-Muscheln verziert
ist und
TUI-NI-BULI genannt wird. Sie zeigt direkt auf den Häuptling
der Gruppe oder den hohen Besuch, zu dessen Ehren die ISEVUSEVU,
die offizielle Kavazeremonie, veranstaltet wird und der mit gekreuzten
Beinen vor der Tanoa sitzt.
Der Zeremoniemeister gibt die Anweisung, dass das zerstoßene
Wurzelpulver auf das Tuch gegeben und im Wasser geschwenkt wird.
Wenn er damit einverstanden ist, dass die Mixtur stimmt, dann
gibt er zu verstehen, dass die Zubereitung fortgeführt werden
kann und die Flüssigkeit wird gestreckt. Ist eine Portion
fertig, so reicht der Mundschenk mit viel Respekt und würdevoll
dem hohen Besuch die erste Schale. Wenn der Gast die Schale in
einem Zug geleert hat wird geklatscht. Der Zeremoniemeister trinkt
als nächstes, gefolgt von den Gästen, je nach Rangfolge.
Während des offiziellen Teiles der Zeremonie gehört
es sich, nicht zu sprechen und sich nicht zu bewegen. Auch dürfen
die Beine nicht ausgestreckt auf die Tanoa zeigen. Nach der offiziellen
Eröffnung werden die Muscheln zurück genommen und man
darf sich wieder entspannen. Männer sollten die Beine aber
immer noch überkreuz halten, die Frauen zur Seite. Steht
man auf, so läuft man leicht gebückt als Zeichen des
Respekt und entschuldigt sich (JILOU).
Wenn man in Fidschi eine BILO angeboten bekommt, dann klatscht
man ein Mal, nimmt die Schale immer mit beiden Händen (!!),
sagt "Bula" zum
Häuptling
und trinkt alles in einem Zug. Die Schale wird zurück
gereicht (auch wieder mit beiden Händen) und zum Dank wird
drei Mal geklatscht. Üblicherweise
sind hier seit je her die Männer für die Zeremonie
verantwortlich.
Auch wenn man im ersten Moment eine etwas taube Zunge bekommt
und der erste Schluck ungewohnt schmeckt – Kava auszuspucken
ist die höchste Erniedrigung und Respektlosigkeit, die
man den Gastgebern entgegen bringen kann!
In Tonga dagegen war früher immer die schönste Frau
dafür zuständig, die Wurzel mit Steinen zu zerschlagen
und das Pulver dann in ihrem Haar unter das Wasser zu mischen.
Sind die „Krümel“ entfernt, so wird das Haar
ausgewrungen, die Flüssigkeit wird in die Bilo-Schale getropft
und den Männern serviert. Es wird laut der Name der Person
gerufen, die als nächstes trinken soll und als Zeichen,
dass die Schale angenommen wird, klatscht diese Person ein Mal
kurz in die Hände. Die Beine werden wie in Fidschi gekreuzt,
während des offiziellen Teiles herrscht ebenfalls Stillschweigen.
Heute wird aber aus Hygienegründen meist ein neutrales Tuch
zum Mischen verwendet.
Weder in Tonga, noch in Samoa ist es üblich, bei einem Dorfbesuch
ein Sevusevu zu präsentieren. Wahrscheinlich, weil die Dorfstruktur – anders
als in Teilen Fidschis – schon moderner ist.
Herkunft des Sevusevu
Es wird davon ausgegangen, dass derartige Zeremonien früher
als religiöse Riten vollzogen wurden, um mit den übernatürlichen
Mächten in Kontakt zu treten, sowohl mit den Göttern,
als auch um den Ahnen und Urahnen Zutritt zur jetzigen Zeit zu
gewähren und mit ihnen und den Göttern kommunizieren
zu können.
Wirkungsweise
Es wird gesagt, dass die allgemeinen, pharmakologischen Eigenschaften
von Kava einen betäubenden Effekt auslösen und als
Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Muskel-Entspanner, Anti-Pilzmittel
sowie zur Befreiung von Schlaflosigkeit eingesetzt werden können.
Die internationalen Einfuhrbestimmungen erschweren den Kava-Export
aus pazifischen Inselstaaten nach beispielsweise Amerika oder
Europa.
In der Regel ist Kava aber ungefährlich. Ungewünschte
Reaktionen entstehen meist erst durch Kombination mit anderen
Mitteln, durch die Kapselhüllen oder auf Grund von übermäßigem
Konsum. Dann kann es beispielsweise zu einem Leberschaden kommen – die
Augen vieler Einheimische zeigen nach jahrelangem Konsum eine
gelbliche Färbung auf. |
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